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#609060 oder: was heißt hier eigentlich „normal“?

seit ein paar wochen kursiert auf twitter und instagram das meme von #609060, bei dem es darum geht, fotografisch festzuhalten und kommentieren zu lassen, „was normale menschen so anziehen“. so nachvollziehbar ich den wunsch auch finde, den eigenen körper als „normal“ zu definieren und sich diese definition von den eigenen peers bestätigen zu lassen, so genervt ich selbst von dem extremen magerwahn und der photoshoppisierung der bilderwelt bin, so deutlich ist aber auch mein unbehagen, was mit den betrachten dieser fotos und der immer wieder wiederholten phrase von den „normalen menschen in oberbekleidung“ einhergeht. wer bestimmt denn eigentlich, was „normal“ ist? klar, es kann mitmachen, wer möchte, und es machen auch einzelne menschen mit, die sich selbst nicht als person mit “normalem körper” durchgehen sehen – aber indem hier die ausnahme bereits als abweichend benannt wird, wird das bild von dem „normalkörper“ doch nur wieder bestätigt.

puppe im spiegel

klar könnte ich mich da auch einreihen, kaufe ich meine klamotten doch inzwischen auch eher in 42 als in 36. aber allein die tatsache, dass ich meine größe noch in jedem klamottengeschäft vorfinde, sogar ohne in die plus-size-abteilung gehen zu müssen, zeigt doch, dass mein körper „normal“ ist, also den normierungen bspw. der textilindustrie entspricht. ich kann das bedürfnis verstehen, den omnipräsenten bildern der werbung etwas entgegen setzen zu wollen, aber was ist damit gewonnen, durch das zeigen von körpern, die zwar nicht als model durchgehen würden, aber dennoch fast durchgängig mit thin privilege ausgestattet sind, eine vielleicht etwas breitere form von „normalität“ festzuschreiben? gleichzeitig werden körper, die nicht weiß sind, die nicht mit den gängigen geschlechter- und sonstigen körpernormen (ableism!) übereinstimmen, unsichtbar. „es kommt drauf an wer sich alles beteiligt“, entgegnete mit twitter-user cryl auf meine bedenken bzgl. der normierung in #609060. ja, aber wer beteiligt sich denn? und ist das ein zufall? oder kann es vielleicht sein, dass menschen, die ihr leben lang vermittelt bekommen, dass ihr körper nicht „normal“ ist, es vielleicht nicht so leicht haben, ihren körper einfach mal selbst als „normal“ zu setzen, online zu stellen und sich damit auch den blicken und potentiellen kommentaren auszusetzen, die sie bereits auf der straße permanent als „anders“ markieren?

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